many men
Zu viele wollten mich fall’n seh’n, ich blieb aufrecht, hab gelernt: Ein „Bruder“ heißt noch lange nicht, er meint’s echt. Damals teilten wir das Brot, heute teilt uns der Erfolg, manche wechseln ihre Seite, wenn das Schweigen ihnen Gold bringt. Ich hab Hände oft gereicht und bekam dafür ’nen Schnitt, heute frag ich nicht nach Liebe, sondern wer im Ernstfall mitzieht. Jeder kann dir Treue schwör’n, wenn der Himmel grade blau ist, doch ich sah, wer bei mir bleibt, als aus Vertrauen plötzlich Staub wird. Mama sagte: „Pass gut auf, wem du dein Innerstes erzählst“, denn derselbe, der dich kennt, weiß auch genau, wo er dich quält. Also trag ich meine Fehler wie ’ne Rechnung in der Jacke, jeder Posten hat ’nen Namen, jede Summe eine Narbe. Ich war unten, ohne Publikum, kein Mensch hat applaudiert, heute wollen sie erzählen, sie wär’n damals schon bei mir. Nein – ich kenn noch ihre Blicke, als mein Name gar nichts wert war, und genau deshalb vergess ich keinen Meter, den ich selbst ging. Zu viele woll’n mich fall’n seh’n, zu viele woll’n mich nicht mehr hier seh’n, doch ich lauf durch diese Stadt mit erhob’nem Kopf, denn ich weiß, irgendwann muss jeder von uns geh’n. Zu viele woll’n mich fall’n seh’n, zu viele hofften, dass ich liegen bleib, doch solange dieses Herz noch in der Brust schlägt, kriegst du mich nicht klein – nein, ich bin noch da. Ich hab gelernt, dass eine Krone keinen König aus dir macht, denn Charakter zeigt sich meistens ohne Zeugen in der Nacht. Manche reden von Respekt und verkaufen dich für Zahlen, tragen Freundschaft auf der Zunge, aber Preisschilder im Magen. Hab Gesichter kommen seh’n, als die ersten Türen aufging’n, dieselben waren unsichtbar, als wir draußen vor dem Haus blieb’n. Heute brauch ich keinen Kreis, nur zwei Menschen ohne Maske, lieber wenig echte Hände als ’nen Tisch voll falscher Gäste. Jede Niederlage schrieb mir eine Zeile ins Gedächtnis, jeder Abschied machte deutlich: Nicht Verlust bedeutet Schwäche. Denn manchmal musst du Menschen geh’n lassen, um zu begreifen, dass du jahrelang versucht hast, einen Schatten festzuhalten. Wenn ich morgen nicht mehr da bin, soll mein Sohn zumindest wissen: Sei nicht reich an Bekanntschaften und gleichzeitig arm an Gewissen. Denn du kannst die ganze Welt hab’n und dich trotzdem selbst verlier’n – ich verlor genug im Leben, um mich heute nicht zu verlieren.
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