Welch Wunder ist der Tod,
Welch Wunder ist der Tod, Tod und sein Bruder Schlaf! Der Eine bleich, dem Monde gleich, Mit Lippen fahlen Blaus; Der Andre rosig wie der Tag, Der purpurn aus dem Meer Heraufglüht in die Welt – Und beide, ach, so schnell verrauscht! Hat denn die finstre Macht, Die in den moderfeuchten Gräbern thront, Auch ihre reine Seel' erfaßt? Muß jene Mordgestalt, Bei deren Anblick selbst dem Liebenden Das Herz erbebt, – der blauen Adern Netz, Die, Bächen gleich, ein Schneegefild durchziehn, – Das Antlitz, schön wie lebensvoller Marmor – Nun sterben und vergehn? Läßt der Verwesung Hauch Nichts übrig von dem Himmelsbild, Als Greuel und Zerstörung? Ein schaurig düstres Thema nur, Das selbst den Leichtsinn ernster denken macht? Wie? oder ist's ein süßer Schlummer, Einlullend nur die Sinne, Den der Hauch des rosigen Morgens Fortscheucht in das Dunkel? Wird Janthe neu erwachen Und Freude spenden jener treuen Brust, Die schlummerlosen Geistes wacht, Und Licht, Lust, Leben nur Aus ihrem Lächeln schöpft? Ja, sie wird neu erwachen, Ob auch die warmen Glieder reglos jetzt, Und stumm der süße Mund, Der sonst Beredtsamkeit Geathmet, die des Fuchses Wuth gezähmt Und des Erobrers kaltes Herz erweicht. Die thauigen Augen fielen zu, Und auf den Lidern, deren Decke kaum Der Augensterne tiefes Blau verhüllt, Ruht jetzt das Kindlein Schlaf. Ihr goldnes Haar beschattet Des Busens unbefleckten Stolz, Wie sich um einer Marmorsäule Rund Des Schlingkrauts Ranke schmiegt. Horch! welch ein Klanggetön? Es gleicht dem Zaubersang, Der um verlassene Ruinen schwebt, Und den am wiederhallenden Strand Zur Abendzeit der Schwärmer hört, – Noch sanfter, als der Westwind seufzt, Noch wilder, als das regellose Lied Der Beats, deren gedröhn Der Lüfte Genien durchwehn. Die irisbunten Strahlen Sind gleich dem Mondenlicht, Das durch die Fenster eines Domes fällt; Doch ihrem Farbenglanze Kommt Nichts auf Erden gleich. Seht das Gespann der Feenkönigin! Die Himmelsrosse sausen durch die Luft, Die zarten Schwingen faltend auf ihr Wort, Und durch der Zügel lichtes Band gelenkt. Die Feenkön'gin hielt sie an. Sie webte einen Zauber um den Ort, Und aus dem Etherwagen Sich hold herniederbeugend, sah Sie lang und schweigend an Der Jungfrau schlummernde Gestalt. O, nicht der Dichter in verzückten Träumen, Wenn Silberwolken sein Gehirn durchziehn; Wenn alles Große, Wilde, Liebliche Ihn staunen macht, entzückt, erhebt; Wenn seine Phantasie, was schön Und wunderbar, mit Einem Blick vereint, Hat je ein Bild, so hehr und hold, erschaut, Wie jenes, das die Lüfterenner hemmte, Und auf der Jungfrau Schlummer Den Zauber seines Blicks ergoß.
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Welch Wunder ist der Tod, Tod und sein Bruder Schlaf! Der Eine bleich, dem Monde gleich, Mit Lippen fahlen Blaus; Der Andre rosig wie der Tag, Der purpurn aus dem Meer Heraufglüht in die Welt – Und beide, ach, so schnell verrauscht! Hat denn die finstre Macht, Die in den moderfeuchten Gräbern thront, Auch ihre reine Seel' erfaßt? Muß jene Mordgestalt, Bei deren Anblick selbst dem Liebenden Das Herz erbebt, – der blauen Adern Netz, Die, Bächen gleich, ein Schneegefild durchziehn, – Das Antlitz, schön wie lebensvoller Marmor – Nun sterben und vergehn? Läßt der Verwesung Hauch Nichts übrig von dem Himmelsbild, Als Greuel und Zerstörung? Ein schaurig düstres Thema nur, Das selbst den Leichtsinn ernster denken macht? Wie? oder ist's ein süßer Schlummer, Einlullend nur die Sinne, Den der Hauch des rosigen Morgens Fortscheucht in das Dunkel? Wird Janthe neu erwachen Und Freude spenden jener treuen Brust, Die schlummerlosen Geistes wacht, Und Licht, Lust, Leben nur Aus ihrem Lächeln schöpft? Ja, sie wird neu erwachen, Ob auch die warmen Glieder reglos jetzt, Und stumm der süße Mund, Der sonst Beredtsamkeit Geathmet, die des Fuchses Wuth gezähmt Und des Erobrers kaltes Herz erweicht. Die thauigen Augen fielen zu, Und auf den Lidern, deren Decke kaum Der Augensterne tiefes Blau verhüllt, Ruht jetzt das Kindlein Schlaf. Ihr goldnes Haar beschattet Des Busens unbefleckten Stolz, Wie sich um einer Marmorsäule Rund Des Schlingkrauts Ranke schmiegt. Horch! welch ein Klanggetön? Es gleicht dem Zaubersang, Der um verlassene Ruinen schwebt, Und den am wiederhallenden Strand Zur Abendzeit der Schwärmer hört, – Noch sanfter, als der Westwind seufzt, Noch wilder, als das regellose Lied Der Beats, deren gedröhn Der Lüfte Genien durchwehn. Die irisbunten Strahlen Sind gleich dem Mondenlicht, Das durch die Fenster eines Domes fällt; Doch ihrem Farbenglanze Kommt Nichts auf Erden gleich. Seht das Gespann der Feenkönigin! Die Himmelsrosse sausen durch die Luft, Die zarten Schwingen faltend auf ihr Wort, Und durch der Zügel lichtes Band gelenkt. Die Feenkön'gin hielt sie an. Sie webte einen Zauber um den Ort, Und aus dem Etherwagen Sich hold herniederbeugend, sah Sie lang und schweigend an Der Jungfrau schlummernde Gestalt. O, nicht der Dichter in verzückten Träumen, Wenn Silberwolken sein Gehirn durchziehn; Wenn alles Große, Wilde, Liebliche Ihn staunen macht, entzückt, erhebt; Wenn seine Phantasie, was schön Und wunderbar, mit Einem Blick vereint, Hat je ein Bild, so hehr und hold, erschaut, Wie jenes, das die Lüfterenner hemmte, Und auf der Jungfrau Schlummer Den Zauber seines Blicks ergoß.