Pfaffen glanz
Du schauderst, Erhabner Geist! – o, wärst du menschlich sonst? Ich sehe, wie in deinem reinen Antlitz Ein Schatten sich von Graun und Zweifel malt. Doch fasse dich! Nicht sonder Ursach ist, Nicht unbedingt, noch sühnelos dies Elend. Des Menschen böser Wille, den die Kön'ge Mitsammt den Feigen, die ins Joch sich schmiegen, Zum Vorwand ihrer Frevel brauchen, er Vergießt das Blut nicht, das das Land verheert. Des Krieges Schöpfer sind die Könige, Staatsmänner, Priester, deren Schutz und Schirm Der Menschen Elend ist, und deren Größe Auf ihre Niedrigkeit sich baut. – Die Art Legt an die Wurzel, und der Giftbaum fällt; Und wo sein Pesthauch Weh, Verderben, Tod Verbreitete, wo Millionen Leichen Der Schlangen Hunger stillten, unbeerdigt Im faulen Luftzug ihre Knochen bleichten, Da wird ein Garten prangen, lieblicher Als Edens Fabelparadies. Hat denn Die Seele der Natur – (die diese Welt So schön gebildet, die den Schoß der Erde Mit Segen füllte, und die kleinste Saite Des Lebens wob zu ew'ger Harmonie, Sein Nest im Hain dem muntern Vogel gab, Wie sie den Wanderern der Tiefe gab Des unermess'nen Meeres lieblich Schweigen, Und selbst dem niedrigsten Gewürm im Staub Die Kraft gewährt, zu denken und zu lieben) – Hat sie in blinder Tücke, ursachlos Parteiisch, nur dem Menschen aufgebürdet Verderben, Laster, Sklaverei? Die Seele Mit Blitzen tödlicher Flüche ihm versengt? Den Stern des Glücks so fern ihm hingestellt, Daß er entflieht vor seiner Hand, und nur Den grausen Abgrund, der zu seinen Füßen Weitklaffend gähnt, erhellt? Natur! – o nein! Staatsmänner, Kön'ge, Priester schädigen Der Menschheit Blüthe schon in zarter Knospe; Es sickert durch die blutentleerten Adern Der öden, wüst verkommenen Gesellschaft Ihr Einfluß, feinem Gifte gleich. Das Kind, Eh's noch der Mutter heil'gen Namen lallt, Ist schon erfüllt von unnatürlichem Verbrecherstolz, und hebt sein Kinderschwert In eines Helden grimmer Art empor. Ach! dieser Arm wird einst die blutige Geißel Der armen Erde, während große Namen, Dem Mann als Hülle dienen, zu umdunkeln Die klare Leuchte der Vernunft, und gar Das Schwert zu heil'gen, das, zum Kampf gezückt, Schuldloser Brüder Blut vergießen soll. O, laßt von Pfaffentrug bethörte Sklaven Nicht mehr verkünd'gen, daß des Menschen Erbtheil Elend und Laster sei, wenn schon Gewalt Und Lüge an des Säuglings Wiege stehn, Und alles angeborne Gute roh Ersticken. Wie so öd und finster dehnt Sich vor der Seele, – wenn, ein Fremdling, sie Zuerst aus ihrer neuen Wohnung umblickt Nach Glück und Mitgefühl, – die weite Welt! Wie sind verwelkt die Knospen alles Guten! Kein Schirm, kein Obdach vor den wilden Stürmen Erbarmungsloser Macht! Der reine Hauch Der Himmelslüfte, der Insektenschwärme Erneut, umfächelt nicht ihr Jammerbild, Vielleicht vergiftet durch das Wehe schon, Mit dem Gesetz und Sitte ihren Vater Belasteten. Des Tages hehrer Glanz Erhellt ihr Sehnen nicht; sie ist gefesselt. Bevor sie lebt; ja, all' die Ketten sind Geschmiedet, lang bevor sie ward; und Freiheit Und Lieb' und Frieden sind der unbewehrten Entrissen, die von Kindheit an verflucht Und von der Wiege an verurtheilt ist Zu Sklaverei und Elend!
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Du schauderst, Erhabner Geist! – o, wärst du menschlich sonst? Ich sehe, wie in deinem reinen Antlitz Ein Schatten sich von Graun und Zweifel malt. Doch fasse dich! Nicht sonder Ursach ist, Nicht unbedingt, noch sühnelos dies Elend. Des Menschen böser Wille, den die Kön'ge Mitsammt den Feigen, die ins Joch sich schmiegen, Zum Vorwand ihrer Frevel brauchen, er Vergießt das Blut nicht, das das Land verheert. Des Krieges Schöpfer sind die Könige, Staatsmänner, Priester, deren Schutz und Schirm Der Menschen Elend ist, und deren Größe Auf ihre Niedrigkeit sich baut. – Die Art Legt an die Wurzel, und der Giftbaum fällt; Und wo sein Pesthauch Weh, Verderben, Tod Verbreitete, wo Millionen Leichen Der Schlangen Hunger stillten, unbeerdigt Im faulen Luftzug ihre Knochen bleichten, Da wird ein Garten prangen, lieblicher Als Edens Fabelparadies. Hat denn Die Seele der Natur – (die diese Welt So schön gebildet, die den Schoß der Erde Mit Segen füllte, und die kleinste Saite Des Lebens wob zu ew'ger Harmonie, Sein Nest im Hain dem muntern Vogel gab, Wie sie den Wanderern der Tiefe gab Des unermess'nen Meeres lieblich Schweigen, Und selbst dem niedrigsten Gewürm im Staub Die Kraft gewährt, zu denken und zu lieben) – Hat sie in blinder Tücke, ursachlos Parteiisch, nur dem Menschen aufgebürdet Verderben, Laster, Sklaverei? Die Seele Mit Blitzen tödlicher Flüche ihm versengt? Den Stern des Glücks so fern ihm hingestellt, Daß er entflieht vor seiner Hand, und nur Den grausen Abgrund, der zu seinen Füßen Weitklaffend gähnt, erhellt? Natur! – o nein! Staatsmänner, Kön'ge, Priester schädigen Der Menschheit Blüthe schon in zarter Knospe; Es sickert durch die blutentleerten Adern Der öden, wüst verkommenen Gesellschaft Ihr Einfluß, feinem Gifte gleich. Das Kind, Eh's noch der Mutter heil'gen Namen lallt, Ist schon erfüllt von unnatürlichem Verbrecherstolz, und hebt sein Kinderschwert In eines Helden grimmer Art empor. Ach! dieser Arm wird einst die blutige Geißel Der armen Erde, während große Namen, Dem Mann als Hülle dienen, zu umdunkeln Die klare Leuchte der Vernunft, und gar Das Schwert zu heil'gen, das, zum Kampf gezückt, Schuldloser Brüder Blut vergießen soll. O, laßt von Pfaffentrug bethörte Sklaven Nicht mehr verkünd'gen, daß des Menschen Erbtheil Elend und Laster sei, wenn schon Gewalt Und Lüge an des Säuglings Wiege stehn, Und alles angeborne Gute roh Ersticken. Wie so öd und finster dehnt Sich vor der Seele, – wenn, ein Fremdling, sie Zuerst aus ihrer neuen Wohnung umblickt Nach Glück und Mitgefühl, – die weite Welt! Wie sind verwelkt die Knospen alles Guten! Kein Schirm, kein Obdach vor den wilden Stürmen Erbarmungsloser Macht! Der reine Hauch Der Himmelslüfte, der Insektenschwärme Erneut, umfächelt nicht ihr Jammerbild, Vielleicht vergiftet durch das Wehe schon, Mit dem Gesetz und Sitte ihren Vater Belasteten. Des Tages hehrer Glanz Erhellt ihr Sehnen nicht; sie ist gefesselt. Bevor sie lebt; ja, all' die Ketten sind Geschmiedet, lang bevor sie ward; und Freiheit Und Lieb' und Frieden sind der unbewehrten Entrissen, die von Kindheit an verflucht Und von der Wiege an verurtheilt ist Zu Sklaverei und Elend!
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