Sah nicht, was sterblich ist,
Sah nicht, was sterblich ist, Vernahm des Nachtwinds Rauschen Und ird'sche Töne nicht, – Sah nur den Feen-Aufzug, Vernahm nur Himmelsklänge Am ödverlass'nen Ort. Der Fee Gestalt war zart; die flockige Wolke, Kaum angehaucht vom blassen Abendroth, Und die das spähnde Auge mühsam nur Gewahrt, wenn sie verschwimmt im Dämmrungsschatten, Ist kaum so zart; doch jener schöne Stern, Der in des Morgens schimmernder Krone blitzt, Verstrahlt ein Licht so mild und mächtig nicht, Wie jenes, das der Fee Gestalt entfloß, Umhüllend Alles wie ein Heil'genschein, Indeß mit wallender Bewegung Es sie umwogte sanft und mild. Die Feenkön'gin stieg Aus ihrem Himmelswagen, Und schwang den Zauberstab, Mit Amaranthgeflecht verziert. Ihr Nebelbild bewegte Mit jedem Lufthauch sich, Und silbertönig klang Der Rede süßer Ton, Vernehmbar einzig dem geweihten Ohr. Fee. Sterne, strahlet sanft hernieder! Elemente, hemmt eur Toben! Schlaf, Weltmeer, in den Felsenschranken, Die dein Reich umziehn! Nicht ein Windhauch soll bewegen Jenes Hügels Rasenteppich. Selbst das ziehnde Sommerfädchen Ruh' in stiller Luft! Seele Janthe's, du, – Würdig allein des neidenswerthen Glücks, Das der Gerechten und der Guten harrt, Das Derer harrt, die, kämpfend stark und fest, Der Erde Stolz und Niedrigkeit besiegten, Der Satzung Ketten sprengten, und als Sterne In ihrer Zeit erglänzten, – Seele Janthe's, Erwach! ersteh! Plötzlich erhob Sich Janthe's Seele. Sie stand in unverhüllter Reinheit da, Ein herrlich Ebenbild der Körperform. Begabt mit unnennbarer Schönheit Reiz, War jeder Makel ird'schen Wesens Verschwunden, sie erstrahlte neu In angeborner Hoheit, und sie stand Inmitten Tod und Graun unsterblich.
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